B167n Neunzehn Brücken für 13 km

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Neunzehn Brücken für 13 km neue Straße!  (von Johannes Madeja)

Mit dem fast ganzseitigen Beitrag „Welche neuen Brücken in der Nähe zum Binnenhafen geplant sind“ (MOZ vom 26.08.26) setzt MOZ ihre Werbekampagne für die B 167 neu, genannt Ortsumgehung (OU), fort. Das Wort Werbekampagne ist jedoch gaaanz falsch, denn MOZ ist ja ein Nachrichtenportal, selbsternannt unabhängig, objektiv und neutral. Der uns da benachrichtigt, also gaaanz neutral informiert, das ist Herr Backert. Zwar streut Herr Backert in seine Beiträge zur B 167 neu immer wiederholend ein, wie wichtig diese Straße ist und dass sie einen großen Nutzen bringt, weil die „Wirtschaft“ sie braucht und weil sie den innerörtlichen Verkehr entlastet. Das will Herr Backert aber keinesfalls als Werbung verstanden wissen. Es kommt auch nicht darauf an, ob das alles wirklich zutrifft. Wichtiger ist MOZ wohl, dass die Leser ihr das glauben.

Richtig ist allerdings folgendes: Schon die Bezeichnung OU ist falsch, denn die Straße endet an der Angermünder Chaussee (Landesstraße L 2) und führt von dort den gesamten Verkehr direkt ins Zentrum der Kreisstadt. Genau so falsch ist der ausgewiesene Nutzen mit dem daraus abgeleiteten „vordringlichen Bedarf“. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis (NKV) wurde einfach falsch berechnet um einen Bedarf vorzutäuschen, den es gar nicht gibt. Der wurde auch nie nachgewiesen, steht aber mit NKV=10 im Ausbaugesetz und gilt also! Inzwischen musste sogar der Unternehmerverband, glühender Befürworter der Maßnahme, einräumen, dass viele Unternehmen die neue Straße nicht brauchen, weil sie die gar nicht nutzen können und daß die geplante Schließung der Autobahn-Zu und Abfahrt in Finowfurt ihnen erheblich schadet. Bisherige Befürworter der Maßnahme müssen zugeben, dass die neue Straße den innerörtlichen Verkehr keineswegs entlastet. Eher das Gegenteil ist der Fall wegen des erheblichen, dann erforderlichen Querverkehrs, um einen der wenigen „Knoten“ und damit die Autobahn überhaupt erreichen zu können. Hinzu kommt, daß die Zufahrten zu den Knoten in derzeitigem Zustand nicht in der Lage sind, den Verkehr aufzunehmen. Eine Ertüchtigung wird für die Stadt sehr teuer. Das interessiert jedoch den Bund nicht, denn das ist, so steht es geschrieben in den Planungsunterlagen, allein kommunale Aufgabe. Über das alles informiert Herr Backert die Leser der MOZ nicht. Warum wohl? Es ist wohl nicht so recht werbewirksam.

Schwerpunkt in der Information der MOZ sind die Bauwerke, in erster Linie Brücken, die erforderlich sind, um die Straße überhaupt zu ermöglichen. Beginnend an der Kaiserwegbrücke in Finowfurt ist die Berichterstattung in der vierten Folge jetzt am Binnenhafen in Eberswalde angekommen. Nur wenige Leser der MOZ werden die Zahl der Bauwerke mitgezählt haben. Die Nummer des jeweiligen Bauwerks gibt hier leider keine Auskunft. Damit die Zahl der Bauwerke nicht zu hoch wird, man möchte ja einen ungünstigen Eindruck vermeiden, besteht z.B. Bauwerk 13 aus drei Brücken, also zu Nr. 13 kommen noch Nr.13a und Nr.13b dazu. An dieser Stelle sei erwähnt, dass in den Planungsunterlagen insgesamt 29 Bauwerke enthalten sind, davon 19 Brücken allein für den ersten Planungsabschnitt, also ca. 13 km neue Straße. In der Zählung der Bauwerke sind die Knotenpunkte (KP) nicht enthalten, die werden extra gezählt. Sie sind, abgesehen von der neuen BAB 11-Anschlußstelle nördlich des Oder-Havel-Kanals, für die neue Straße, die ja immer als Ortsumfahrung (OU) bezeichnet wird, sämtlich nicht erforderlich, also nicht nur – wie Herr Backert schreibt – der KP 4a. Der Bund sieht die beiden Orte Finowfurt und Eberswalde ja nur als „Störfaktoren“. Es sind – abgesehen von der BAB-Anbindung – nur drei Knotenpunkte vorgesehen. Weitere KP wie z.B. KP 4a müssen die Kommunen „beantragen“ und – was denn sonst? – natürlich selbst bezahlen. Für KP 4a will der Landrat einspringen, wohl auch um möglichen Widerstand der Stadt zu unterdrücken. Ob die Kreistagsabgeordneten dem zustimmen bleibt abzuwarten.

Spät, aber besser spät als nie, haben die Gemeindevertreter von Schorfheide (Finowfurt ist Hauptort) begriffen, dass die neue Straße den Anwohnern und den Unternehmen nur schadet. Die Verwaltung hat dem Bund mitgeteilt, dass die Gemeinde das Vorhaben nicht mehr unterstützt. Der Bund hat darauf den KP 3 – das sollte die Anschlussstelle für Finowfurt sein – prompt gestrichen. Jetzt müssten die Finowfurter entweder zur Kaiserwegbrücke (KP 1) oder nach Finow zum KP 4 (Nähe Brotfabrik) fahren, um die Autobahn zu erreichen, denn die Anbindung Marienwerder Str. soll ja zurückgebaut werden, entfällt also. Die Stadtverordneten der Kreisstadt haben noch nicht begriffen, was die neue Straße für Probleme mit sich bringt und es bleibt abzuwarten, ob und wann auch sie dem Vorhaben ihre Unterstützung entziehen. Vielleicht setzt sich ja irgendwann doch der gesunde Menschenverstand durch und die Verantwortlichen – sie sind ja verpflichtet, Schaden von uns abzuwenden – denken darüber nach, eine BAB-Anbindung bei km 27,5 zu fordern und zu realisieren. Danach bietet sich mit einem Streckenverlauf nördlich des Flugplatzes (hier kommt die stillgelegte Bahnstrecke infrage) in Verbindung mit dem „Eberswalder Schwung“ eine wirksame Problemlösung an, die zudem wesentlich preiswerter ist als das Vorhaben des Bundes, das nur für einen dreistelligen Millionenbetrag zu haben ist.